Die schwäbisch-alemannische Fastnacht

Narri! Narro! 
Das ist der bekannteste Narrenruf - traditioneller Gruß alter Zünfte.

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Dieses große Brauchereignis im deutschen Südwesten ist geprägt von einer enormen Vielfalt an Traditionsfiguren und Maskengestalten - vermummten Gestalten wie Narren, Teufel, Hansel oder Hexen. Die Fasnet ist eine Mischung aus schwäbischen (z.B. Narrenfiguren) und alemannischen Elementen (z.B. Larven/Holzmasken). Der Begriff bezieht sich auf die Art des Feierns (Zunftstruktur bzw. Häs/Kostüm). 

Die schwäbisch-alemannische Fasnet wurde im Dezember 2014 ins bundesweite UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

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Fasnet im Quellenland

Herkunft: drei zeitliche Entstehungskontexte: Natur-, Kalender- und Kirchenjahr

Naturjahr: Viele Narren im Südwesten führen den Ursprung "ihrer" Fasnet auf vorchristliche, heidnische Wurzeln zurück. Sie erzählen, dass in und mit der Fasnet und ihrem lärmenden Treiben der Winter ausgetrieben und die baldige Ankunft des Frühlings gefeiert werde.

Kalenderjahr: Entwicklungsgeschichtlich bestand das römische Jahr aus zwei deutlich empfundenen Abschnitten – März bis Dezember und Januar bis Februar. Letztere galt als liminale (von lateinisch limen, „Schwelle") Übergangszeit zwischen Vergehen und Werden und war Schauplatz agrarer Rituale, um Kälte und Dunkelheit zu bannen und die Vegetation wiederzubeleben.

Kirchenjahr: Doch für Volkskundler und Historiker ist die Sache klar: Die Fastnacht ist ein christliches Fest und eng verbunden mit der darauf folgenden 40-tägigen christlichen Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest. Das wird schon am Namen deutlich: Das Wort "Fastnacht" bezeichnet den Zeitraum vor Anbruch der Fastenzeit. 

Die Fastnacht dauert sechs Tage, vom Donnerstag (Schmotziger Dunnschtig) bis zum Aschermittwoch.

Fasnetsorte 

Narrenzünfte, Masken und Traditionsfiguren 

  • Der Begriff bezeichnet heute die Vereine, die in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht aktiv sind, während sich "Zunft" historisch auf eine Vereinigung von Handwerkern oder Kaufleuten im Mittelalter bezog. Ein Narrenverein ist eine moderne Form des Vereins mit einem kulturellen Fokus, während eine historische Zunft eine mittelalterliche Berufsvereinigung war.

  • Es gibt eine große Bandbreite von unterschiedlichen Figuren – von sehr alten wie dem Narro in Villingen bis hin zu Neuerfindungen wie den zahlreichen Hexen. In jedem Jahr tragen die Narren dasselbe "Häs" und hölzerne Masken („Schemen“), meist aus (Linden-)Holz geschnitzt, die Anonymität schaffen. So können sie Unbekannte mit einem kleinen Witz aufziehen ("Strählen"). Diese Charakteristika führten im Dezember 2014 zur Aufnahme ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

    Besondere Figuren sind die Weißnarren: Diese tragen ein weißes Leinenhäs (Jacke, Hose und Larvenhaube), bemalt mit Ölfarben-Motiven wie Figuren, Tieren oder Blumen. Typisch ist das Gschell (auch Rollen genannt): Lederriemen mit große/runde Bronzeglocken (15–25 kg), paarweise über die Schulter gelegt. Beim Narrensprung erklingen sie und prägen das Klangbild der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.

    Dazu gehören der Villinger Narro, Hansel aus Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen, Triberg, Furtwangen, Bad Dürrheim und Schwenningen.

  • Narrozunft Villingen e.V.: Mit über 5.000 Mitgliedern ist die Historische Narrozunft Villingen der größte Fasnetverein der Narrenhochburg. Zentrale Figur der historischen Villinger Fasnet ist der Narro und seit über 400 Jahren deren Symbolfigur. 

    Das Häs des Narro (Weißnarr) an sich besteht aus Leinenstoff, bei dem die Bemalung festgeschrieben ist, handgeschnitzte Schemen, vorne auf der Hose sind Löwe und Bär. Hinten drauf sind Hans und Gretel. Das steht aber für Bürgersleute und nicht für die Märchenfiguren.

    Mehr Infos zu den Narrenzünften in Villingen-Schwenningen

  • Bräunlingen – Briilinger Fasnet mit sieben charakteristischen Stärken

    1.    Teamgeist, das geschlossene und kompakte Erscheinungsbild der Zunft.

    2.    Die Urgewalt mit der sich unsere Fasnet ihren Weg bahnt.

    3.    Der Bürgerstolz, den die Bräunlinger geschichtlich seit Jahrhunderten pflegen.

    4.    Die Überzeugung, dass sie ihrer Tradition verpflichtet sind.

    5.    Die Treue und heimatliche Verbundenheit zu ihrer Stadt.

    6.    Straßen- und Wirtshausfasnet im Einklang und

    7.    Offenheit im Umgang mit Gästen.

    Narrenzünfte: u.a.

    „Eintracht“ Bräunlingen e.V.: Stadthansel, die Urhexen, Stadtbockgruppe, Stadtwehr, die alemannischen Trommler und der wiederbelebte Blumennarr.

    Siibe-Hiisli-Liit, Waldhausen: Der Waldma ist eine urwüchsige Fasnetfigur mit einer knorrigen Maske und einem Wurzelstock auf dem Kopf.

    Gauchenzunft Döggingen e.V.

    Traditionsfigur ist das Gauchenpaar. Der Gauch stellt einen Kuckuck dar, er hat seinem Namen von der nahegelegenen Gauchachschlucht. Der Kuckuck brütet seine Eier nie selbst aus, sondern er legt sie anderen Vögeln ins Nest um diese auszubrüten. Deshalb trägt unser Gauchenweibchen ein Ei im Schnabel. 

     

    Donaueschingen: Es gibt zahlreiche Narrenvereine, auch in den einzelnen Ortsteilen.

    Die drei großen Narrenzünfte sind: 

    Narrenzunft Frohsinn: Die Zunft organisiert bis heute den Hauptteil der Donaueschinger Fasnet. Die wichtigsten Figuren sind die Hansel und die Gretle.

    Stadthexen e.V.: In alten Gerichtsprotokollen steht zu lesen, dass im Raum Donaueschingen im 17. Jahrhundert Prozesse wegen Vieh-Hexerei stattgefunden hätten. Die Stadthexe stellt heute eine bäuerliche Schreckengestalt in der früher typischen Arbeitskleidung dar.

    Schellenberg-Hexen e.V.: Sie wurden in der Siedlung am Fuße des Schellenbergs von Fasnetbegeisterten ins Leben gerufen. 

     

    Hüfingen - Narrenzunft Hüfingen e.V.

    Die Hüfinger Fasnet, seit 1560 belegt und Gründungsmitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. Die Figuren sind: Baptistle, Hansel/Gretel, Bärcheappeli, Berghexen, D'Schächerkatze, Scheeremanne, Siireschalm, Altstadtteufel.

    Hansel/Gretel (Hüfinger Weißnarr): Hauptfigur, rund 250 Jahre alt. Häs-Bemalung nach Blumen und einheimischen Pflanzen; das Rückenbild in [[lastname_placeholder_050]] zeigt meist Porträts Hüfinger Frauen in Baaremer Tracht. Ein Foulard komplettiert das Outfit.

    Baptistle - Baptischtli: Mitte 19. Jh. erstmals erwähnt, wohl identisch mit dem Hüfinger Schneider Johannes Moog. 1748: trotz Fasnetsverbots wegen Landestrauer behauptete sich der Baptischtli. Er erhielt die Erlaubnis, mit Kindern zu feiern, hing ein Fenster ans Haus, befestigte eine Scheibe, streckte seinen Kopf hindurch und zog im Fasnethäs mit den Kindern los. Er gilt als Symbol des Widerstands gegen die Obrigkeit.

    Altstadtteufel: Entstand auf Initiative von alles als erste närrische Frauengruppe. Der Name „Hüfinger Altstadt-Teufel“ bezieht sich auf den historischen Altstadt- und Schlosskontext.

     

    Blumberg – zahlreiche Narrenzünfte, zu den traditionsreichen gehören unter anderem:

    Stadthexen Blumberg e.V.,: Sie sehen ihre symbolische Geburtsstunde in den Hexenprozessen von 1636. Seit 1996 treiben sie zur Fasnacht wieder ihr Unwesen und sind seit 2006 ein eigenständiger Verein

    Randenwölfe Nordhalden 1966 e. V. : Die Wurzeln liegen in einer alten Dorf­sage. Mit verschiedenen Gruppen und Symbolfiguren pflegen sie die schwäbisch-alemannische Fastnacht in Nordhalden und darüber hinaus.

    Eichberggeister: eine Männerzunft: Die Wurzeln liegen in einer Legende aus dem 17. Jahrhundert. Mit Lärm und alten Bräuchen halten sie die Sage der Waldgeister und die Straßenfasnacht in Blumberg lebendig.

     

  • Triberg: Bereits aus dem Jahre 1525 finden sich Nachweise, dass in Triberg „Narrenkleider“ angefertigt wurden. 1928 wird die Narrenzunft Triberg gegründet.

    Hauptfigur ist der Teufel. Die Teufelsmaske wurde Ende des 19 Jahrhunderts entwickelt. Ein kupferrot grinsendes Gesicht, Hörner, Stirnhaare und Kinnbart sind schwarz. Dazu trägt er ein rotes Gewand. Eine weitere wichtige Narrenfigur ist das Spättlehansele. Das Blätzleshäs besteht aus 1500 Spättle in Schindelform. Um den Hals trägt die Hanselfigur eine weiße Halskrause, ein Glockengurt mit Schellen hängt ihm um die Schultern.

    Furtwangen - Narrenzunft Furtwangen e.V. seit 1926

    Ausdrucksstarke, traditionsreiche Masken, mit Liebe zum Detail gefertigte Häser, mit Hunderten von Spättle behangenen oder im Fall des Weßnarren bemalt, der Klang der Bronze-Glocken, das Klepfen der Fuhrkigilii-Peitschen und die wild umherspringenden Hexen fügen sich zu einer farbenfrohen, närrischen Komposition.

     

    Schönwald - Narrenzunft Hirtenbue Schönwald e.V. und FC-Hexen Schönwald

    Die Schönwälder Fasnetfigur Hirtebube erinnert an die Zeit vor elektrischen Weidezäunen. Bis in die 1950er Jahre hüteten Hirtenbuben im Schwarzwald das Vieh – ein Brauch, der mit der Figur lebendig gehalten wird. Die FC Hexen Schönwald verbindet Fußballleidenschaft mit der lokalen Fasnet-Tradition.

     

    St. Georgen - Narrenzunft 1967 St. Georgen e.V.

    Der älteste Fasnachtsverein in St. Georgen begeistert mit Tradition und Brauchtum. Im Mittelpunkt stehen die beiden Narrenfiguren Fohrebobbele und Kräuterwieble, die bei Umzügen und Festen für Stimmung und lebendige Fasnacht sorgen.

     

    Schonach - Narrenzunft Schonach e.V.

    Sie zeigt zwei Haupt-Häs: Geißenmeckerer & Geißenmagd, begleitet von fünf Einzel-Häs: Narrenpolizeri, Zunfthexe, heidnischer Jäger, Geißenhirte und schwarzer Geißenmeckerer. 

    Holzmaske mit teils menschlichen Gesichtszügen, in der Schalk und Spott eingekerbt sind.

    Geißenmagd: Typisch weibliche Gesichtszüge, dem Geißenmeckerer angepaßt, ohne Hörner.

     

    Gütenbach - Narrengesellschaft Gütenbach e.V.

    Jockele: In der Gütenbacher Uhrmacherei war das Jockele die meistverkaufte Billiguhr. Die geschnitzte Figur zeigte ein Uhrenschild mit rotem Kittel bekam, zwei Tannenzapfengewichten, einem Pendel und einem Holzkläpper für das Tick-Tack. Bekleidet war sie mit knielanger Hose, roten Strümpfen und Strohschuhen.

    Plattenwieble: Seit 1977/78 als Zweitfigur (Josefa Schuler). Barfuß, mit Schlapphut und Tabakspfeife oder Stumpen im Mund.


Auf einen Blick - 
Die Fasnet im Schwarzwald-Baar-Kreis 

Vom ganzjährigem Angebot wie dem Besuch der Fastnachtsmuseen, über Informationen zu den Narrenzünften (entspricht den heutigen Vereinen der schwäbisch-alemannischen Fasnet), bis zu den Narrensprüngen (Umzügen).
 

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